Radtour - eine Rundfahrt auf dem Dach von Mecklenburg

Von Woldegk bis Woldegk

Foto: Archiv der Stadt Woldegk

Tourdaten

Länge
18,9
km
Aufstieg
183
m
Abstieg
183
m
Zeit
2
stunden
Schwierigkeit
leicht

Start am Woldegker Mühlenberg

Als Ausgangspunkt für die Radtour ist der Woldegker Mühlenberg ideal. Hier kann das Auto gebührenfrei geparkt werden und die Mühlen sind eine weithin sichtbare Landmarke während der Rundfahrt. Vom Mühlenberg geht die Fahrt auf dem Kopfsteinpflaster des Mühlendammes hinunter zum ehemaligen Bahndamm der Friedrich-Wilhelm-Eisenbahn. Der Wegweiser dort zeigt nach links Groß Daberkow 8 km. Das heißt, 8 km Bahndamm zu ebener Erde, kein bergauf oder bergab, keine scharfen Kurven, mal durch schattige Schluchten, mal auf dem aufgeschütteten Damm hoch über den Tälern. Doch erst einmal führt Sie der Weg an den Speichern der Woldegker Bauern vorbei bis zum zweistöckigen Gebäude mit dem Schriftzug „alter Bahnhof“. Mit Fertigstellung der Bahnstrecke Neustrelitz - Strasburg 1892 wurde das Bahnhofsgebäude errichtet und diente bis zur Demontage der Bahnstrecke durch die Russen 1947 als Bahnbetriebsgebäude (Fahrkartenausgabe, Warteraum, Gaststätte und Dienstwohnungen). Gleich hinter dem Bahnhof verlassen Sie ganz kurz den Bahndamm und biegen dafür nach rechts und dann gleich wieder nach links ein in die Ladestraße.
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Der Name Ladestraße kommt vom Verladen der Güter in und aus dem Zug. Das Gebäude mit dem weit überstehenden Teerdach ist der alte Güterschuppen. An dem blauen Zaun fahren Sie links vorbei und dann immer gerade aus, über eine Holzbrücke (die alte gemauerte Brücke wurde von der Wehrmacht im April 1945 gesprengt). Das eingezäunte Betriebsgelände rechts hinter der Brücke gehört zur RinderAllianz GmbH. Hier stehen die besten Zuchtbullen Deutschland's, deren Gene in der ganzen Welt gefragt sind.

Nun beginnt: „Radfahren von der ganz bequemen Art.“ Der Radweg ist geteert, Schleh-Beeren-Hecken säumen den Bahndamm und es geht leicht bergab. Nach ca. 1 km ist auf der rechten Seite der Pfarrhof in Sicht. Im Frühjahr 1875 wurde mit dem Bau des Stalls begonnen, dann die Scheune und erst zum Schluss wurde das Wohnhaus gebaut. Am 23. Oktober, nach insgesamt 191 Tagen Bauzeit, war alles fertig. (Quelle: Ausbauten, von U.und M. Ratzke)

Jetzt ist der Kirchturm von Mildenitz zu sehen. Hier gab es einen eigenen Bahnhof, das kleine rote Backsteingebäude gleich rechts hinter der Straße, die den Bahndamm im rechten Winkel kreuzt. Der Plattenweg links führt nach Scharnhorst (ähnlich dem Pfarrhof) und wenn Sie möchten, können Sie einen Abstecher zum Hünenstein unternehmen. Die Info-Tafel links vor der Straße gibt Auskunft darüber. Rechts führt eine Teerstraße geradeaus zum Schloss (Herrenhaus um 1800 erbaut und 1856 mit zwei Seitenflügel vergrößert), heute ist es ein Pflegeheim. Das Dorf war ein Gutsdorf. Es gehörte den Blanckenburg's, die auf der Burg in Wolfshagen ihren Hauptwohnsitz hatten. Der neue Besitzer nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Familie von Schwerin.

Die Kirche ist ein Eichenfachwerkbau aus dem Jahr 1722 und wurde von 1999 bis 2001 umfangreich saniert. Der Turm von 1691 ist etwas älter. Bei einem schweren Gewitter 1688 ist die Turmspitze mitsamt dem Glockenstuhl hinuntergestürzt, die Glocke aber blieb ganz. Für eine Dorfkirche ist die Glocke mit einem Durchmesser von 1,14 m sehr groß. Eine Sage erzählt: Die Glocke sei für ein Dorf zu wertvoll und sie sollte nach Woldegk in die Stadt gebracht werden. Die Glocke wurde aufgeladen und mit ein paar Pferden abtransportiert. Als das Gespann die Grenze der Feldmarkt erreichte, konnten die Pferde die Last nicht weiter ziehen und blieben stehen. Es wurden immer mehr Pferde angespannt, bis es 24 waren. Es half nichts, die Glocke bewegte sich kein Stück. Erst als sie umgedreht wurde, ging es wieder leichter und es reichten zwei Ochsen, um die Glocke ins Dorf zurückzubringen. (Quelle: "Kirchen auf der Grenze" von Kerrin Gräfin von Schwerin)

Nun wird es aber Zeit weiter zu fahren „auf den Sattel, fertig, los“, das Radfahren in der Luxusklasse geht weiter. Auf dem Bahndamm quer übers Feld, durch den Wald und dann in die Berge von Groß Daberkow. Das Dorf liegt auf einer Anhöhe und unser bequemer Radweg endet hier. Das macht aber nichts, denn jetzt haben Sie Ihre Betriebstemperatur erreicht und Sie haben sich warm gefahren für die Bergetappen. Sie folgen der Straße bis ins Dorf, bis zum zweiten Weg nach links und biegen ab. Dort wo heute der Glockenstuhl steht, stand bis 1992 eine Fachwerkkirche, ähnlich der von Mildenitz und auch so alt. Der Pastor Hans Schlie aus Helpt, der auch die Filiale-Kirche in Groß Daberkow übernahm, berichtet in seiner Chronik „Die Kirche in Groß Daberkow war 1945 abbruchreif. Ich habe sie weiter benutzt, obwohl sie seit dem Ersten Weltkrieg angeblich baupolizeilich gesperrt war.“ Das Pfarrhaus gegenüber dem Glockenstuhl auf der anderen Straßenseite war zu der Zeit mit Flüchtlingen belegt und er hatte keine andere Möglichkeit den Gottesdienst abzuhalten. Weiter geht’s! Nach dem steilen Aufstieg zum Ortsausgang werden Sie mit einer schönen Aussicht und einer tollen Abfahrt belohnt.

Zur Dorfstraße zurück, das Kopfsteinpflaster ist erst vor 50 Jahren verlegt worden. Vorher gab es keine feste Straße im Dorf, nur der Gutshof war gepflastert. Am Kriegerdenkmal geht es nach links, das schöne Ziegelsteingebäude gegenüber der Kirche war die Dorfschule. Sie wurde 1927 gebaut. Die Häuser auf beiden Seiten der Straße sind ehemalige Tagelöhner-Häuser. Die letzten freien Bauern wurden 1782 enteignet, da Otto von Dewitz das Gut kaufte. Er stellte den Antrag, die letzten 5 Bauern legen zu dürfen „Die Bauern, die bei gerechter Strenge mit der ganzen Habe über die nahe gelegene Grenze zur Uckermark nach Brandenburg gehen.“ Das Haus mit dem flachen Pappdach war die Schnitterkaserne. Hier wohnten vom Frühjahr bis zum Herbst die Saisonarbeiter (Schnitter), die auf dem Gut arbeiteten. (Quelle: „Helpt, eine Gemeinde im Wandel der Zeit“ von Asta Hethke)

Hinter dem letzten Haus, wo der Lindenweg von links kommt, fahren Sie rein und gelangen auf den Gutshof. Das Herrenhaus von 1894 ist relativ jung, dort wohnte der Verwalter. Eine Burg hat es hier auch gegeben, von der ist nur ein Gewölbekeller im Gutspark übrig geblieben. Jetzt wieder links zur Straße und die Dorfrundfahrt ist beendet.

Das kleine Rinnsal in der Senke wird später zum Lindebach und fließt in den 100 m tiefer liegenden Tollensesee. Hinter dem Bach beginnt links ein Radweg, er führt Sie zum Wald und wenn Sie der Beschilderung folgen, auf den Helpter Berg. Mit dem Fahrrad war wohl noch keiner oben! Bleiben Sie also auf der Straße und dort, wo fast alle vom Rad steigen, weil die Steigung so groß ist, beginnt der „Mecklenburger Brenner“. Wenn Sie oben angekommen sind, gönnen Sie sich eine Pause und genießen die Aussicht oder setzen sich in die Schutzhütte von Sopfienhorst (ehemaliges Bauerngehöft).

Vom Fernsehturm wäre die Fernsicht natürlich noch schöner, aber dafür müssten Sie sich erst den Schlüssel aus Bonn holen. Sie haben den schwersten Teil der Rundfahrt hinter sich, nun geht es bis nach Woldegk nur noch bergab. Dazu halten Sie sich an der Weggabelung links, die 100 m auf den alten Betonplatten durch den Hohlweg. In Woldegk immer geradeaus bis ans Ende der Waldstraße. Danach kurz rechts und links und dann sehen Sie den Mühlenberg mit den Mühlen. Sollte etwas Wind sein und die Mühlenflügel drehen sich, nutzen Sie die Gelegenheit und schauen sie sich eine Windmühle von innen an.

Karte & Höhenprofil

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START

Woldegk

Mühlendamm
(N 53°27´50.2" | O 13°34´38.2")

ZIEL

Woldegk

Mühlendamm
(N 53°27´50.2" | O 13°34´38.2")

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